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Kerstin und Andreas Fels: Fettnäpfchenführer Japan

Fettnäpfchenführer Japan – Die Axt im Chrysanthemenwald: In ihrem Buch geben die beiden Japan-Experten Kerstin und Andreas Fels Einblicke in die Kultur und erklären, wie man sich im Land der aufgehenden Sonne einen guten Eindruck macht.
© By Manuel Cosentino on Unsplash

Andere Länder, andere Sitten: Wer die jeweiligen Gebräuche nicht kennt, kann schnell in Fettnäpfchen treten. Das kann sehr amüsant sein. Manchmal stößt man Menschen damit ungewollt aber auch vor den Kopf und zieht Ärger auf sich. Kerstin und Andreas Fels kennen das. In ihrem Buch „Fettnäpfchenführer Japan“ erklären sie, wie man einen guten Eindruck im Land der aufgehenden Sonne macht.

„Die größte Gefahr besteht darin, sich ‚typisch Deutsch‘ zu verhalten.“

Interview mit Kerstin und Andreas Fels

Wie ist euer Interesse für Japan entstanden?

Andreas Fels: Nach dem Abi stand ich vor der großen Frage: Und jetzt? Schließlich habe ich mich für ein Studium der Japanologie, Anglistik und Germanistik entschieden. Der Grund war zunächst noch ganz pragmatisch: Ich hatte gehört, dass binnen weniger Jahre viele Professuren im Fachbereich Japanologie mangels Nachwuchses nicht besetzt werden könnten. Damit hatte ich dann erstmal ein Ziel – das Land und seine Leute fand ich zu dem Zeitpunkt spannend, mehr aber auch nicht.

Je intensiver ich mich im Rahmen des Studiums mit Japan auseinandersetzte, desto mehr faszinierende Facetten entdeckte ich. Letztendlich habe ich mich zwar irgendwann dagegen entschieden, mein Berufsleben lang an der Uni zu bleiben, aber die Faszination ist geblieben.

Mit Kerstin war ich auch schon während des Studiums zusammen, so dass sie zwangsläufig schon früh Berührung mit dem Themenkomplex Japan hatte. 1997 habe ich mit ihr zusammen Japanlink.de ins Leben gerufen. Uns war damals aufgefallen, dass es im Netz noch so gut wie nichts in deutscher Sprache gab.

Wann seid ihr das erste Mal nach Japan gereist?

Andreas Fels: Das müsste 1995 gewesen sein. Ich war seinerzeit über mehrere Monate mit einem Kommilitonen und guten Freund unterwegs und wir sind von Tōkyō aus in den Süden bis nach Miyazaki auf Kyūshū gereist. Auf der Strecke haben wir in preisgünstigen Tagelöhner-Unterkünften, Kapselhotels, Ryōkan und Backpacker-Hostels geschlafen, hatten aber auch einige Homestays bei japanischen Familien. Das waren die aufregendsten Erfahrungen mit dem tiefsten Einblick in das Leben in Japan. Mit Kerstin zusammen war ich dann im Januar 2000 das erste Mal in Japan.

In welches Fettnäpfchen seid ihr als erstes getreten?

Andreas Fels: Tatsächlich bin ich direkt in der ersten Unterkunft mit den bereitgestellten Pantoffeln in den Tatami-Raum getreten. Und bei dem ersten Homestay bin ich auch prompt mit den Klo-Pantoffeln aus Plastik, die unbedingt nur in diesem Raum zu tragen sind, in das Wohnzimmer geschlufft. Die Folge waren entgleiste Gesichtszüge und ein höflicher, aber bestimmter Hinweis auf meinen Fauxpas.

Jede Kultur hat ihre ungeschriebenen Regeln und Verhaltenskodexe. Was sind die größten Gefahren für einen Deutschen, in Japan (ungewollt) negativ aufzufallen?

Andreas Fels: Die größte Gefahr, wenn man es überhaupt so dramatisch als Gefahr bezeichnen möchte, besteht darin, sich „typisch Deutsch“ zu verhalten und zum Beispiel eine ganz klare Antwort auf eine Frage einzufordern. Japaner geben in der Regel eine Absage eher in verklausulierter, indirekter Form. Da muss man dann zwischen den Zeilen lesen. Das gilt natürlich vor allen Dingen bei geschäftlichen Verhandlungen, bei denen es mitunter für uns am Ende einer Verhandlung immer noch zu vage sein kann, weil man vielleicht die ablehnenden Andeutungen oder die Körpersprache nicht richtig deuten konnte. Auch problematisch ist es drängeln, falls es einem nicht schnell genug geht.

Womit zieht man sich wirklichen Unmut zu und worüber wird eher mit einem Lächeln hinweggesehen?

Kerstin Fels: Naja, als typischer Deutscher ist man ja schon optisch leicht als Ausländer zu erkennen. Da rechnen die meisten eh damit, dass man sich nicht mit allen Regeln so gut auskennt. Wenn man da offenkundig unwissend einen Fauxpas begeht, nehmen einem die meisten das nicht richtig übel. Wer sich aber zum Beispiel vordrängelt obwohl alle anderen anstehen, kann sich nicht wirklich auf Unwissenheit berufen. Das wird dann auch entsprechend eher übelgenommen.

Und umgekehrt: Mit welchem Verhalten kann man Japaner positiv beeindrucken?

Kerstin Fels: Die meisten sind doch überrascht – und oft auch erleichtert – wenn sie merken, dass man japanisch spricht – in unserem Fall ist das Andreas. Das kommt auf jeden Fall gut an, wird aber auf gar keinen Fall in irgendeiner Form erwartet. Im Gegenteil – manchmal wird einem sogar beharrlich auf Englisch geantwortet, obwohl man selber auf japanisch gefragt hat.

Woran liegt es, dass Japan eine schwer zu durchdringende Gesellschaft, die sich externen Einflüssen scheinbar hartnäckiger widersetzt als zum Beispiel westliche Kulturen?

Kerstin Fels: Als Inselvolk und mit der Politik des geschlossenen Landes war Japan ja Jahrhunderte lang einigermaßen von der Außenwelt isoliert. Als sich dann Japan mehr oder weniger gezwungenermaßen dem Westen öffnen musste, hat sich das Land ja unter Kaiser Meiji in eine umfassende Modernisierung gestürzt. In dieser Zeit kamen zum Beispiel viele neue Technologien und auch Wissen in das Land. Sie wurden aber nicht einfach 1:1 übernommen, sondern im Laufe der Zeit angepasst und dabei häufig verbessert. Japanischer Whisky zählt heute zum Beispiel mit zu den besten der Welt, obwohl in Schottland und Irland schon viel länger Whisky hergestellt wird. Daher spielen externe Einflüsse durchaus eine Rolle, auch wenn sie auf eine typisch japanische Weise Einfluss nehmen.

Ihr reist seit 1995 regelmäßig nach Japan. Welche kulturellen Veränderungen habt ihr über die Jahre beobachtet?

Andreas Fels: Kulturelle nicht so viele, dafür aber touristische. Während man früher bei Rundreisen nur wenige andere Ausländer traf – von Hotspots wie Tōkyō, Yokohama und Kyōto mal abgesehen – gibt es in den letzten Jahren eine regelrechte Touristenschwemme. Australier kommen zum Skifahren nach Japan – früher undenkbar. Engländer stürmen in Massen und stark berauscht die auf eine Hand voll Gäste ausgelegten Bars im Golden Gai in Shinjuku – was letztendlich dazu führt, dass viele Japaner ihre Lieblingsbars meiden.

Für jemand, der vor seiner ersten Japan-Reise steht: Welchen Kurz-Knigge würdet ihr ihm mit auf den Weg geben?

Kerstin Fels: Im Zweifelsfall kann es nie schaden darauf zu achten, wie sich die anderen verhalten. Stehen zum Beispiel im Eingangsbereich einer Herberge oder eines Restaurants viele Schuhe herum, dann sollte man selbst seine Schuhe ebenfalls ausziehen. Wenn alle sich am Bahnsteig anstellen, einfach mit in die Reihe stellen. Auf diese Weise umschifft man schon die ersten Hürden.

Die ausführliche Vorbereitung wäre natürlich euer Buch. Was erwartet den Leser?

Kerstin Fels: Der Leser unternimmt gewissermaßen eine Reise nach Japan. Das macht er nicht selbst, sondern stellvertretend für ihn Herr Hoffmann. Dieser Herr Hoffmann muss geschäftlich nach Japan und ist doch überrascht, dass Japan ein bisschen anders ist als Flensburg. Auf seiner Reise tappt er daher auch in das ein oder andere Fettnäpfchen. Als Leser leidet man nicht nur mit Herrn Hoffmann mit, sondern bekommt Hintergrundinformationen, was genau schiefgelaufen ist, wie sich bestimmte Gepflogenheiten überhaupt erst entwickelt haben und was sie tun können, um sich zumindest ein bisschen weniger zu blamieren als Herr Hoffmann.

Im Untertitel heißt es „Die Axt im Chrysanthemenwald“. Was bedeutet das?

Andreas Fels: Es gibt ja das Sprichwort „Wie die Axt im Walde…“, wenn man beschreiben möchte, dass sich jemand ziemlich daneben benimmt – so wie unser Herr Hoffmann im „Fettnäpfchenführer Japan“. Die Nationalpflanze der Japaner ist die Chrysantheme. Die wächst zwar nicht als Baum, aber wir fanden das Bild, dass unsere Hauptfigur wie eine Axt durch die geliebten Blumen holzt, dann doch sehr schön und passend.

In der „Fettnäpfchen-Reihe“ sind im Conbook-Verlag weitere Ratgeber erschienen – so zum Beispiel über Indien („Be happy oder das No-problem-Problem“) und Finnland („Wenn der Fisch nicht beißt, spart man sich den Wurm“)

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© By Tianshu Liu on Unsplash
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