Die Bilderflut im Internet ist enorm. Das Angebot ist so groß, dass selbst herausragende Arbeiten oft untergehen. Wie schafft man es dennoch, Fotos zu machen, die aus der Masse herausstechen und Beachtung auf Blogs und in den Sozialen Netzwerken finden? Mit dieser Frage beschäftigt sich Katharina Dielenhein in ihrem Buch „Fotografieren für Blogger: So machst du Fotos mit Klickfaktor“.

Interview mit Katharina Dielenhein

Wie ist die Leidenschaft für die Fotografie entstanden? Kannst du dich noch an den ersten Kameramoment und das erste Foto erinnern?

So lange ich mich zurückerinnern kann, war mein Vater leidenschaftlicher Hobbyfotograf.

Die Liebe zur Fotografie habe ich mir von ihm abgeguckt und das gemeinsame Hobby hat uns über viele Jahre sehr verbunden.

So sehr, dass er mir, als ich im Teenageralter war, seine analoge Spiegelreflexkamera schenkte, die er viele Jahre zuvor von seinem Schwiegervater ‚geerbt‘ hatte und die ihm selbst lieb und teuer war.

An mein erstes Foto erinnere ich mich leider nicht mehr. Sehr intensiv hingegen an diesen Moment, in dem meine fotografische Entwicklung erst richtig begann.

Welche Bedeutung hatte die Fotografie am Anfang für dich? Was bedeutet sie dir heute?

Vor allem in meiner Jugend war die Fotografie eine Möglichkeit, mich kreativ auszuleben. Mit Freundinnen zog ich durch Dörfer und Wälder, vollgepackt mit Requisiten und den Kopf voller Ideen – und danach warteten wir mehrere Tage darauf, endlich den entwickelten Film abholen und in der Schule mit den Bildern prahlen zu können.

Heute bin ich der Reportagefotografie viel näher als der Kunst. Ich liebe den Gedanken, dass Menschen meine Fotos betrachten und ins Schwelgen geraten, sich an ferne Orte träumen, sich wünschen, diese Orte selbst zu besuchen.

Was waren die wichtigsten Tipps und Schritte, die dich entscheidend als Fotografin vorangebracht haben? Wer sind deine fotografischen Vorbilder? Warum?

Meine Ausbildung zur Fotomedienlaborantin hat mich in meinem Schaffen wirklich vorangebracht, denn sie hat mir das nötige Rüstzeug vermittelt. Ich weiß natürlich, dass nicht jeder Hobbyfotograf eine fotografische Ausbildung machen kann, das ist aber nicht schlimm.

Im Kern ist wichtig, sich mit der Theorie der Fotografie zu beschäftigen – ob das in einer Ausbildung, einem Kurs oder mit einem Buch geschieht, ist erst einmal zweitrangig.

Wie lernt man ‚Sehen‘ mit der Kamera? Wie entwickelt man einen fotografischen Blick? Welche Rolle kann dabei auch die Beschäftigung mit anderen Kunstformen spielen?

Mich intensiv mit fremden Fotos und auch Malereien auseinanderzusetzen, hat mir sehr dabei geholfen, einen fotografischen Blick zu entwickeln.

Schon in der Lehre waren Bildbesprechungen fremder und eigener Werke ein wichtiger Teil der theoretischen Ausbildung. Und bis heute hilft mir der konkrete Austausch mit anderen Fotografen dabei, besser zu werden. Das funktioniert übrigens nicht nur im Zwiegespräch.

Ich frage mich immer: ‚Wieso berührt dich dieses Bild? Wieso findest du es gut?‘

Das hilft mir zu verstehen, auf welche Art Fotos auf den Menschen wirken und wieso das so ist.

Stichwort Kreativität: Was sind aus deiner Sicht die größten Fehler, die Hobbyfotografen machen und wie kann man diese vermeiden?

Der größte Fehler von Hobbyfotografen ist aus meiner Sicht, wenn sie sich nicht bewegen, sondern immer in derselben Position verharren. Nimmt man ein Bild aus einer minimal veränderten Position auf, entsteht gleich ein völlig neues Motiv.

Wer sich nicht die Mühe macht, die perfekte Perspektive für eine Szene zu finden, wird niemals das Beste aus ihr herausholen. Viele weitere Tipps für richtig gute Blogfotos habe ich übrigens vergangenes Jahr in meinem Blog Huckleberry Fling festgehalten.

Was macht für dich ein gutes Foto oder gute Fotografie im Allgemeinen aus?

Eine gute Fotografie berührt Menschen. Und dafür muss sie nicht einmal technisch perfekt bzw. wie aus dem Fotografie-Lehrbuch sein.

Welche Besonderheiten und Unterschiede gibt es bei Fotos, die auf Blogs veröffentlicht werden?

Technisch und inhaltlich unterscheiden Blogfotos sich kaum von anderen Fotografien. Aber anders als beispielsweise Kunstfotografien müssen Blogfotos noch einen anderen wichtigen Zweck erfüllen: Sie müssen – wie auch ein journalistisches Bild – einen Sachverhalt darstellen oder erklären.

Einfach mit der Kamera ‚draufzuhalten‘, die Szene so zu nehmen, wie sie ist, ist bei vielen Blogmotiven wie Food, Mode oder Beauty nicht die Lösung. Gute Blogfotografien werden oft aufwändig inszeniert.

Speziell bei Reisefotos: Was muss ein Foto haben, damit es im Internet gut geklickt wird?

Zum Beispiel eine gute Lichtstimmung.

Fotos bei tiefstehender Sonne, in der Goldenen oder der Blauen Stunde sind besonders spannend. Auch Nachtaufnahmen haben besonderen Charme.

Grundsätzlich gilt: Wenn die Sonne hoch am Himmel steht, also in den Mittagsstunden, hat der Reisefotograf Pause – oder sucht sich für seine Motive schattige Plätze.

Worauf kommt es bei der Aufnahme an? Zum Beispiel in Bezug auf Planung, Inhalt, Thema und Komposition.

Es gibt viele Elemente oder Paramater, die ein Foto zu einem Hingucker machen. Dazu zählen beispielsweise Farbkontraste, spannende Formen oder Linienführungen, eine malerische Szenerie oder ein faszinierender Bildaufbau oder -schnitt.

Wer es schafft, unterschiedliche Gestaltungsmittel miteinander zu kombinieren, ist auf dem besten Weg, ein gutes Foto aufzunehmen.

Auch ein Garant für ein gutes Bild: eine ungewöhnliche Perspektive auf etwas Bekanntes.

Und was kann man später bei der Präsentation im Blog noch machen?

Fotos sollten in der Regel nicht out of cam, also so, wie sie aufgenommen wurden, veröffentlicht werden.

Ein Blogger kommt daher auf Dauer nicht drum herum, sich mit Bildbearbeitung wie Farbretusche auseinanderzusetzen. Damit Fotos im Blog gut aussehen, sollte auch die Auflösung stimmen.

Wie groß ein Bild sein sollte, damit es an allen Positionen scharf dargestellt wird, gibt meist das eingesetzte Theme vor. Zu guter Letzt sollten die Größe von Fotos vor ihrer Veröffentlichung für Webnutzung heruntergerechnet werden, denn ein großer Teil aller Blogartikel wird heute mobil gelesen.

Welche Ausrüstung empfiehlst du?

Auf Reisen ist weniger natürlich mehr. Eine gute Systemkamera* macht heute fast so gute Bilder wie eine Spiegelreflexkamera.

Ich finde: Die Investition lohnt sich, denn, wer im Urlaub viel unterwegs ist, für den kann jedes eingesparte Gramm Gold wert sein.

Grundsätzlich – nicht nur auf Reisen – arbeite ich gern mit lichtstarken Festbrennweiten.

Sie sind relativ leicht, die Lichtstärke sorgt auch bei Dämmerung und in der Nacht für gute Ergebnisse, außerdem haben die Fotos eine ganz besonders Anmutung.

Was ist in deiner Fototasche, wenn du auf Reise gehst?

Im Moment meine Canon EOS 7D Mark II* mit einer Festbrennweite und einem Zoomobjektiv.

Verzichten kann ich auch niemals auf meine wlanfähige SD-Karte*, denn meine Kamera hat diese Funktion leider nicht.

Auch meine GoPro Hero* ist eigentlich immer im Reisegepäck. Im Laufe des Jahres will ich mir außerdem den Traum einer guten Systemkamera erfüllen.

Welche der Kameras dann häufiger mit auf Reisen darf, wird sich zeigen.

Auf meiner Seite geht es um Fotografie auf Reisen: Welche Bedeutung hat die Fotografie für dich, wenn du an fremde Orte kommst? Wie hilft sie dir dabei, eine neue Umgebung zu erforschen und zu verstehen?

Fotografie ist für mich vor allem eine Chance, Erinnerungen festzuhalten. Es sind die Kleinigkeiten, die einen Urlaub besonders machen: das kleine, unscheinbare Café in einer Seitenstraße von im Paris oder die nette Hütte in den österreichischen Alpen, auf der es diese fantastischen Käsespätzle gab.

Leider sind es aber genau diese Dinge, an die man sich Jahre später oft nicht mehr erinnern kann.

Fotografien können also helfen, die Erinnerungen wachzuhalten und setzen auch eine lange Zeit später wieder Glücksgefühle frei.

Welcher Ort war aus fotografischer Sicht bisher der reizvollste, den du besucht hast? Warum?

Wahrscheinlich die finnische Seenplatte, ein riesengroßes Labyrinth aus tiefblauen Seen und Flüssen sowie großen und kleinen Inseln.

Wenn die Sonne unaufhaltsam tiefer sinkt und sich über die großartige Wasserlandschaft legt, entstehen atemberaubende Fotos.

Was erwartet den Leser Ihres Buches? An wen richtet es sich?

Mein Buch eignet sich nicht nur für Blogger, sondern für jeden, der sich für Fotografie interessiert und keine, wenige oder mittlere Kenntnisse hat.

Zu Lifestylethemen wie Reisefotografie, Familienfotografie, Portraitaufnahmen haben sehr viele Menschen einen Bezug, dafür muss man nicht bloggen.

Auch wer seine Fotos gern in sozialen Netzwerken veröffentlicht, kann eine Menge lernen.

In ihem Buch "Fotografieren für Blogger" gibt Katharina Dielenhein Tipps, wie man Fotos mit Klickfaktor macht.
@ Katharina Dielenhein
In ihem Buch "Fotografieren für Blogger" gibt Katharina Dielenhein Tipps, wie man Fotos mit Klickfaktor macht.
@ Katharina Dielenhein
In ihem Buch "Fotografieren für Blogger" gibt Katharina Dielenhein Tipps, wie man Fotos mit Klickfaktor macht.
@ Katharina Dielenhein

Mehr über Katharina Dielenhein

In ihem Buch "Fotografieren für Blogger" gibt Katharina Dielenhein Tipps, wie man Fotos mit Klickfaktor macht.
@ Rheinwerk Verlag

Katharina Dielenhein ist gelernte Fotomedienlaborantin und ausgebildete Journalistin. Nach einigen Jahre als Redakteurin bei einer Lokalzeitung, arbeitet sie mittlerweile im Bereich Social Media und Online.

Neben dem Schreiben ist Fotografie ihre zweite große Leidenschaft. Beide Themen vereint Katharina auf ihrem Blog „Huckleberry Fling“.

Ihr Buch „Fotografieren für Blogger: So machst du Fotos mit Klickfaktor“* ist 2016 im Rheinwerk-Verlag erschienen. Darin erklärt Katharina, wie man Fotos aufnimmt, die in der täglichen Bilderflut im Netz positiv auffallen.

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Wenn dir dieses Interview gefallen hat, dann sind folgende Beiträge bestimmt auf interessant für dich: Manfred Kriegelstein – „Die Kunst des Sehens“, „Warum dein fotografischer Blick der Schlüssel zu herausragenden Bildern ist“ und „Sprechstunde mit den Photologen: Über das Wesen der Fotografie“.

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