Angefangen hat Sabine Korth als Fotografin. Irgendwann kam zu dem klassischen Bildermachen der Therapiegedanke hinzu: Wie kann uns die Fotografie helfen, mehr über uns und unsere Umwelt zu erfahren? Im Zentrum ihres künstlerischen Schaffens stehen heute Fotocollagen. Fotografien sind für sie der Rohstoff, aus dem sie neue Realitäten erschafft. Es ist eine fantasievolle Reise in Welten, die sich aus der Kombination von Elementen ergibt, die ursprünglich nicht zusammengehörten.

Die Foto-Künstlerin Sabine Korth haucht der bildhaften und erzählerischen Form der Fotomontage neues Leben ein. Ihren Anfang hat ist diese expressive Technik in der fruchtbaren Zeit der Avantgarde in Deutschland. Mit phantasievollen Kombinationen mischt Sabine Bilder aus verschiedenen Kontexten und Regionen und erfindet dadurch neue visuelle Realitäten, die auf die wahre Vermischung von Kulturen anspielen, die unsere anbrechende multiethnische Gesellschaft kennzeichnet.

In ihren kreativen Fotocollagen nimmt sie den Betrachter mit auf eine Reise, die verschiedene kulturelle Formen zusammenführt und zum Nachdenken ermuntert. Das geschieht nicht nur durch die klassische dokumentarische Form, sondern durch eine kreative, die direkt die Ebene der Fantasie anspricht.

Die Technik der Fotocollage besitzt außer dem spielerisch-künstlerischen auch noch einen anderen Wert für Sabine – nämlich einen therapeutischen. Durch das Zerlegen von Fotos und das Neuarrangieren der einzelnen Teile werden gewohnte Denkmuster aufgebrochen und hinterfragt. Die Vergangenheit und die damit verbundene Erinnerung erscheint in einem neuen Licht.

In diesem Interview erfährst du:

  • Wie die Technik der Fotocollage entstanden ist.
  • Was diese Kunstrichtung ausmacht.
  • Wie du selbst Fotocollagen erstellen kannst.
  • Wie du die Fotomontage als Therapieform einsetzen kannst.

Eiserne Spuren unter der Sonne der Toskana

Die Toskana ist die Wiege der europäischen Eisen- und Stahlproduktion. Über 3000 Jahre wurde hier „Ilva“ (etruskisch für „Eisen“) hergestellt. Seit den 1960er Jahren befindet sich die Region im Umbruch.

2015 haben zwei deutsche Fotografinnen, eine davon ist Sabine Korth, und drei italienische Fotografen Stätten dieses Strukturwandels dokumentiert.

Die Bilder sind vom 17. Juni bis 3. November 2018 LWL-Industriemuseum (Henrichshütte Hattingen) zu sehen.

Q&A mit Sabine Korth

  • Lieblingszitat:

„Stop thinking about art works as objects, and start thinking about them as triggers for experiences.“

Bryan Eno

Der Prozess, die Entdeckungen während der Schaffung von Dingen zählt mehr als das Ergebnis. Diese Botschaft versuche ich in meinen Collage-Workshops immer ganz besonders zu vermitteln.

  • Lieblingsbuch: Robert Louis Stevenson „An Apology for Idlers“*. Über die Bedeutung innezuhalten, zu beobachten und deinen Gedanken den Raum zu geben, sich frei und ohne Ziel entfalten zu können. Außerdem: Yoko Tawada – „Memoirs of a Polar Bear“*.
  • Lieblingsreiseland: Indien. Ein Ort, die Persepektive zu wechseln und von anderen Kulturen zu lernen.
  • Lieblingsfotograf: Robert Frank. Als ein Freund mir das Buch „The Americans“* gezeigt hat, habe ich mich anschließend entschieden, Fotografie zu studieren. Darkroom und analogical Collage: Jerry Uelsmann. Fotografie kombiniert mit anderen visuellen Stilelementen wie zum Beispiel Collage oder animierten Film: Robert Kentridge.
  • Ein Fotograf, den ich kürzlich entdeckt habe und der mich begeistert: Slinkachu. Ein Street-Künstler aus London, der Installationen und Fotografie kombiniert. Seit 2006 platziert er kleine Figuren in der Öffentlichkeit. Eine spielerische und visuell pacende Art, um Bilder mit einer emotionalen Botschaft zu machen.
  • „Das ist in meiner Fototasche“: Fuji Compact Kamera oder die Kamera meines Nokia-Mobiltelefons. iPad mit einem Apple Pencil*, um Bilder anzuschauen und unterwegs schnelle Sketche für Collagen zu machen. Früher mit ich mit einer kleinen Minox Kamera durch die Welt gereist. Diese kleine Kamera hat es mir ermöglicht, einfach und ohne technische Hürden mit Menschen in Kontakt zu kommen.
  • Lieblings-Song, den du hörst, wenn du reist und der Fernweh in dir weckt: Reggae – „Red Red Wine“* von UB40. In einem kleinen Café in Simbabwe hat mal eine Band diesen Song nur für mich gespielt. Das war ein sehr spezieller Moment…

Abonniere die Gate7-Playlist auf Spotify und entdecke die Lieblingslieder meiner Podcast-Gäste. Damit hast du den perfekten Soundtrack für unterwegs.

  • App oder Tipp, der dir das Reisen / Fotografieren erleichtert: Procreate – eine Collage- und Zeichen-App.
  • „Ohne … gehe ich nicht mehr auf Reisen“: iPad und einen Apple  Pencil. Außerdem: Notebook, Schere und Klebestift.

Fotocollagen von Sabine Korth

Sabine Korth beschäftigt sich mit Fotomontagen und Fotocollagen als Therapieform.
@ Sabine Korth

Sabine Korth beschäftigt sich mit Fotomontagen und Fotocollagen als Therapieform.
@ Sabine Korth

Shownotes

Sabine Korth ist eine deutsche Foto-Künstlerin, die mittlerweile seit vielen Jahren in der Toskana lebt. Dort veranstaltet sie verschiedene Workshops mit Fokus auf Fotocollagen. Sie setzt diese Technik als Methode ein, um Kreativität, Selbstbewusstsein und Selbsterkenntnis zu steigern.

Sabine bietet Fotografie- und Collage-Workshops an (3-sprachig, zeitlich individuell abgestimmt) z. B. zu folgenden Themen:

  • „Kreative Wellness mit Collage“
  • „Autobiografisches Collagieren“
  • „Träume verstehen durch Collagearbeiten“

Buch: „Foto Collage Terapeutico“

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Erwähnte Themen

Photo Therapy Centre (Judy Weiser)

Bücher

„Phototherapy Techniques: Exploring the Secrets of Personal Snapshots and Family Albums“* von Judy Weiser

„Therapeutic Photograhy“* von Neil Gibson

„Phototherapy and Therapeutic Photography in a Digital Age“* von Del Loewenthal

„Exploring the Self through Photography: Activities for Use in Group Work“* von Claire Craig

„The Handbook of Art Therapy and Digital Technology“* von Shaun McNiff und Christopher Belkofer

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2 KOMMENTARE

  1. Hallo Kai und Sabine, ich habe gerade Euren Podcast gehört und bin total begeistert. Ich bin halb deutsche halb Italienerin, lebe hinter Nizza und fotografiere seit 40 Jahren aber seit 2 erst als Künstlerin und habe viel Erfolg mit meinen Bilder der Promenade des Anglais nach den Anschlägen. Für mich selbst als Therapie entstanden, will ich mit traumatisierten Jugendlichen nach den Attentaten fotoworkshops machen, ich wurde darum gebeten! Und mit unbegleiteten Migrantenkindern die in der Schule meiner Kinder leben auch! Ich mache bunte Lebensfrohe Bilder mit viel Bewegung, habe damit schon Preise gewonnen und meine eigene Depression überwunden!
    https://www.piaparolin.com/PortfolioFolder/Promenade-Moments/
    Ich möchte unbedingt mit Euch in Kontakt kommen! Falls Ihr Zeit habt: am 15.6. ist die Vernissage meiner ersten Solo-Ausstellung, im Deutsch-Französischen Kulturinstitut in Nizza (direkt an der Prom), Ihr seid herzlich eingeladen!

    • Liebe Pia,

      herzlichen Dank für deine Worte und das positive Feedback. Sabines Arbeiten und künstlerischer Ansatz sind faszinierend. Sie zeigen, wozu Fotografie fähig ist. Auch für mich ist sie weit mehr als das Festhalten von Erinnerungen – guten oder schlechten. Dein Projekt habe ich schon vor einiger Zeit entdeckt. Es ist hervorragend und hat vollkommen zu recht breite Aufmerksamkeit erhalten. Zu der Ausstellung werde ich leider nicht kommen können. Über einen Austausch würde ich mich aber sehr freuen!

      Liebe Grüße, Kai

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